Turn-Team Deutschland

Sarah Voss: Wir müssen Geduld üben und ein Vorbild für andere sein

19.03.2020 14:17

Die derzeitige Situation stellt auch die Athletinnen und Athleten des Turn-Team Deutschland vor neue Herausforderungen.

Sarah Voss | Bildquelle: Dedicated Sports
Sarah Voss | Bildquelle: Dedicated Sports

Noch vor wenigen Wochen stand Sarah Voss gemeinsam mit Andreas Toba auf dem Podium, um für das Turn-Team Deutschland im Rahmen des American Cup an die Geräte zu gehen. Als einer von insgesamt vier Weltcups war er Teil der Qualifikationsreihe für einen weiteren Nationenplatz im Rahmen der Olympischen Spiele in Tokio. Für Sarah Voss war es ein besonderer Wettkampf: "Der American Cup in Milwaukee hatte einen sehr großen Wert für mich. Ich schaue ihn persönlich sehr gerne und es war immer mein Traum dort turnen zu dürfen", so die gebürtige Hessin. Sportlich lief es sowohl für Andreas Toba (12. Platz), als auch für Sarah Voss (11. Platz) nicht sehr optimal. Nichtdestotrotz zog Sarah ein versöhnliches Fazit: "Zwar war es kein optimaler Wettkampf für mich, jedoch konnte ich meine neu erlernten Elemente zeigen, womit ich super zufrieden bin."

Die Befürchtungen der Athletinnen und Athleten wurden Realität

Zurück in Deutschland wurde dem gesamten Turn-Team Deutschland zunehmend bewusst, dass das zunächst in China grassierende Coronavirus auch ihren Trainingsalltag immer mehr beeinflussen könnte. "Es hat sich so nach und nach erst eingeschlichen. Es wurden immer schon so Befürchtungen ausgesprochen: Was wäre wenn? Aber man hat diesen Gedanken erstmal verworfen", so Sarah Voss. Die Szenarien, die zunächst nur aus anderen Ländern wie China und Italien bekannt waren, wurden auch in Deutschland Realität. Mit der Schließung der Schulen in der gesamten Bundesrepublik, um eine Ausbreitung des Virus zu vermeiden, mussten auch die Vereine ihren Übungs- und Trainingsbetrieb einstellen. Für die Turnerin des TZ DSHS Köln zunächst ein Schock. Jegliche Trainingsmöglichkeiten wurden von jetzt auf gleich eingestellt. Gerade für die Sportarten, die auf Großgeräte und -materialien angewiesen sind, eine unvorstellbare Situation, denn Stufenbarren- und Schwebebalkenübungen auf olympischem Niveau lassen sich nur bedingt in der heimischen Wohnung oder im Garten trainieren. Für alle Sportlerinnen und Sportler bedeutet dies nun die Suche nach einer Alternative. 

Wir versuchen uns, so gut es eben geht, fit zu halten 

"Wichtig ist es nun, in dieser Zeit nicht an Kraft und Kondition zu verlieren. Wir nutzen die Gegebenheiten zu Hause oder unmittelbar draußen vor der Tür, gehen laufen und trainieren anhand von Kraftprogrammen, die uns helfen unsere allgemeine Fitness aufrecht zu erhalten", beschreibt die 20-jährige ihren Alltag. Neben Kraft und Kondition spielt jedoch auch die mentale Fitness, gerade in solch einer ungewissen Situation eine wichtige Rolle. Für Sarah bedeutet dies, immer wieder mental an ihren Übungen, Elementen und Bewegungsabläufen zu arbeiten. Gleichzeitig ist aber auch ein gewisser routinierter Alltag entscheidend: "Grob gesagt stehe ich morgens früh auf, frühstücke, mache was für meine Uni und gehe dann laufen oder Fahrrad fahren. Anschließend mache ich zu Hause ein bis zwei Kraftprogramme und dehne mich im Anschluss. Nachmittags stehen dann das Mentaltraining und noch ein spezielles Hanteltraining an", beschreibt sie ihren Tagesablauf. 

Wenn man nicht weiß, welche Wettkämpfe anstehen, ist ein gezieltes Training eigentlich nicht möglich

Sowohl der Internationale Turnverband (FIG) als auch der Europäische Turnverband (UEG) haben alle Veranstaltungen in naher Zukunft abgesagt oder verschoben. Hierunter fallen neben einigen Weltcups in der Rhythmischen Sportgymnastik, dem Trampolinturnen auch die Europameisterschaften der Gerätturnerinnen und -turner. Mit der Absage der Fußball-Europameisterschaft durch die UEFA aufgrund der stark steigenden Zahlen an Coronainfizierten, liegen die Augen aller Athletinnen und Athleten nun auf dem Internationalen Olympischen Committee (IOC) und dessen Entscheidung in Bezug auf die diesjährigen Olympischen Spiele. Für Sarah Voss ist diese Ungewissheit einfach nur quälend: "Es ist eben nun mal Fakt, dass der Leistungssport sehr zeitintensiv ist und wir uns immer auf spezielle Wettkämpfe und Zeitpunkte vorbereiten. Wenn man nun nicht weiß, auf was man sich vorbereiten kann, ist es schwierig, sein Training danach auszurichten und zu planen."

Wir müssen geduldig sein und ein Vorbild für andere

Auf der anderen Seite steht für Sarah Voss, wie auch für die meisten anderen Sportlerinnen und Sportler die Gesundheit an erster Stelle: "Zurzeit ist es mir wichtiger, dass sich die allgemeine Lage beruhigt und es mir und meinen Liebsten gut geht. Wir müssen Geduld üben und ein Vorbild für andere sein, indem wir zu Hause bleiben." Daher gilt für sie ab jetzt das Motto: "Das Beste draus machen und hoffen, dass wir in naher Zukunft wieder in einen normalen Alltag finden."